Seit Samstag: Viele Änderungen für Ihr Girokonto

Seit Samstag gilt die EU-Richtlinie PSD2. Warum Sie das interessieren sollte? Weil diese Richtlinie viele Änderungen mitbringt. Und zwar für Ihr Girokonto. Manche davon sind gut, manche weniger.

PSD2 soll Online-Banking & Online-Shopping schneller machen

Gleich sechs Änderungen betreffen das Girokonto seit letztem Samstag bzw. dem 13. Jänner 2018. Und zwar jedes Girokonto, also auch Ihres. Manche davon sparen Ihnen Kosten, andere machen eine Rückbuchung leichter. Außerdem müssen Banken Zahlungsdienstleistern Zugriff auf Ihr Konto gewähren. Wenn Sie diesem Zugriff denn zustimmen. Die Änderungen gehen jedenfalls auf die neue EU-Richtlinie PSD2 zurück, die wir Ihnen bereits Ende 2017 vorstellten. Was seit Samstag konkret neu ist, verrät Ihnen GiroGuiDE hier und jetzt…

PSD2: Zahlen im Netz muss kostenlos sein

  1. Bezahlen zum Nulltarif
    Die erste Neuerung spart Ihnen Geld. Weil Ihnen Händler ab sofort keine Extra-Kosten mehr beim Zahlen via Karte, SEPA (Überweisung) oder Lastschrift berechnen dürfen. Zumindest, wenn dieser Händler in Europa (EU) sitzt.
  2. Haftung Online-Banking
    Ebenfalls Geld spart Ihnen die zweite Änderung. Weil Sie als Kontoinhaber nur noch bis maximal 50 Euro (statt bisher 150 Euro) haften. In welchem Fall? Wenn Langfinger Ihr Online-Banking kapern. Oder per Lastschrift Geld von Ihrem Konto abbuchen. Ausnahme: Sie handeln grob fahrlässig. Wenn Sie Dritten etwa Ihre TAN Liste oder Logindaten zugänglich machen.
  3. Fehlüberweisungen
    Außerdem können Sie nun Überweisungen einfacher zurück holen. Wenn diese nämlich nicht in Ihrem Auftrag waren. Sondern zum Beispiel von Kriminellen angeschoben wurden. Dann muss die Bank Ihnen die volle Summe erstatten. Und zwar innerhalb eines Tages, nachdem Sie als Kontoinhaber Ihre Bank informiert haben. Sollte die Bank Ihnen nicht glauben wollen, muss diese Ihnen beweisen, dass Sie fahrlässig oder aber betrügerisch handelten.

    Bei Fehlüberweisungen stehen die Banken nun ebenfalls mehr in der Pflicht. Denn ab sofort muss die Bank (des Empfängers) Ihnen alle Angaben nennen, damit Sie eine falsche Überweisung zurückholen können. SEPA Überweisungen können Sie sich wie gehabt ohne jeden Grund erstatten lassen. Zwar war das bisher schon möglich. Nun aber ist diese Regel quasi Gesetz – in ganz Europa.

  4. Girokonto: Online-Banking wird unbequemer

  5. Verspätete Zahlung
    Haften muss die Bank zudem bei einer verspäteten Zahlung. Kommt eine solche zu spät beim Empfänger an, müssen alle Beteiligten – Bank ebenso wie Bezahldienste – für Ausgleich sorgen.
  6. Bezahldienste & Apps
    Apropos Zahlungsdienstleister: Mit PSD2 schafft die EU eine einheitliche Grundlage, was Dienste wie Sofortüberweisung oder Multibanking-Apps angeht. So können Sie im Netz in Sekunden zahlen oder sich mit nur einer App einen Überblick über alle Ihre Konten verschaffen. Wirklich neu ist das zwar nicht. Mit PSD2 aber sind die Banken nun gezwungen, Dritten die nötige Schnittstelle zu bieten. Also eben Bezahl- und Finanzdiensten. Selbstredend dürfen nur Dienstleister auf Ihre Daten (und Konten) zugreifen, die Sie zuvor autorisieren. Sämtliche Dienstleister stehen zudem unter der Aufsicht durch die BaFin.
  7. Online-Banking
    Auch das Online-Banking ist von PSD2 betroffen. Pflicht ist ab sofort die sogenannte Zwei-Faktor-Authentifizierung, wie sie bei Zahlungen im Netz längst Standard ist. Wenn Sie sich künftig in Ihr Online-Banking einloggen, müssen Sie sich quasi doppelt zu erkennen geben. Zum Beispiel durch Ihre PIN (Wissen), Smartphone (Besitz) oder Fingerabdruck (Merkmal). Abgelöst ist dadurch wieder die iTAN. Kleines Aber: Diese Vorschriften gelten wahrscheinlich erst ab dem zweiten Halbjahr 2019. Denn bisher fehlen noch die technischen Standards. Sind diese offiziell, haben Banken noch einmal 18 Monate Zeit, diese in die Praxis umzusetzen. Vor 2019 wird es daher also nichts. Mit dem Konzept soll Online-Banking jedenfalls sicherer sein. Leider auch (etwas) komplizierter.

PSD2 betrifft außerdem Zahlungen per Kreditkarte. Mehr dazu die Tage hier im GiroGuiDE.

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